Auslandspraktikum beim BMEIA an der Botschaft in Manila: Infos, Bewerbung und Erfahrungen

Manila Drone

Ich habe im Herbst 2016 ein Auslandspraktikum an der österreichischen Botschaft in Manila (Philippinen) absolviert. Dieses Praktikum wird auch “Verwaltungspraktikum an Dienststellen des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres (BMEIA)“ genannt. Auf der Homepage des BMEIA findet man Infos zum Praktikum, aber um ehrlich zu sein war ich dann doch ein bisschen planlos wie die Bewerbung, Organisation und Tätigkeitsbereiche dann in der Praxis aussehen. In diesem Blog werde ich all meine Erfahrungen die ich dazu gesammelt habe, teilen.

Allgemeines

  • Das Praktikum ist für Studierende oder Absolventen einer Fachhochschule oder Universität
  • Es gibt kein Alterslimit aber der “Ausbildungscharakter soll klar im Vordergrund stehen” – ich empfehle das Praktikum eher am Anfang bis Mitte des Studiums zu machen (siehe weiter unten warum)
  • Ein Praktikum dauert 2 bis 3 Monate und hat ein Ausmaß von 40 Wochenstunden
  • Es handelt sich um ein Ausbildungsverhältnis
  • Der monatliche Ausbildungsbeitrag beträgt 50% des Monatsentgelts eines Vertragsbediensteten während der Ausbildungsphase. Ich habe einen Bachelor-Abschluss und monatlich etwa 1.000 € netto bekommen. Das Entgelt ist immer dasselbe, aber die Lebenshaltungskosten in den Ländern unterschiedlich. Bedenke das wenn du nicht zu viel „draufzahlen“ möchtest.
  • Man ist bei der WGKK versichert, dies ist jedoch keine Auslandsversicherung, um die muss man sich selbst kümmern.
  • Folgendes muss man selbst organisieren und bezahlen: An- und Abreise, Aufenthalt, Unterkunft (Miete), Visakosten usw. Tipp: Ich habe meine Kosten für die Flüge und Miete in der ArbeitnehmerInnenveranlagung angegeben und etwas rückerstattet bekommen! (Mietvertrag & Flugtickets aufheben, die muss man nachweisen!)
  • Pro Arbeitsmonat hat man 2 Urlaubstage – das ist eine tolle Möglichkeit um Ausflüge zu machen!

Bewerbung

Man muss sich bei sämtlichen Vertretungsbehörden an denen man interessiert ist, einzeln bewerben. Die Liste aller Österreichischen Vertretungen findet man hier. Ich habe den Inhalt meines Motivationsschreibens für die einzelnen Botschaften nicht geändert, sondern nur die Adressen und Namen der BotschafterInnen rausgesucht und ergänzt.

Ich habe die Bachelorstudien Internationale Entwicklung und Wirtschaftsrecht abgeschlossen und mich erst am Ende meines Studiums beworben. Ich habe drei Botschaften angeschrieben und zwei Zusagen bekommen. Aber nicht sofort! Erstmals habe ich eine dankende Absage bekommen und wurde in Evidenz gehalten, die Zusagen kamen erst 9 bzw. 12 Monate später. Daher macht es Sinn, sich rechtzeitig zu bewerben und damit zu rechnen, dass man vielleicht erst 1 bis 2 Jahre später das Praktikum tatsächlich beginnt.

Die einzelnen Vertretungsbehörden können je nach Kapazität unterschiedlich viele PraktikantInnen im Jahr aufnehmen und suchen diese selbst aus. Die Botschaft in Manila ist eine sehr kleine, daher gab es dort nur einen Praktikumsplatz pro Jahr. Größere Botschaften können auch das ganze Jahr durchgehend PraktikantInnen haben. Es gibt Botschaften die sehr beliebt für Praktika sind und welche wo es weniger BewerberInnen gibt. Daher hängt es von vielen Faktoren ab ob man genommen wird oder nicht. Ich empfehle, sich bei einigen Vertretungsbehörden zu bewerben und einfach sein Glück zu versuchen.

Tätigkeiten

Während meines Praktikums war ich mit folgenden Tätigkeiten beschäftigt:

  • Erstellung von wirtschaftlichen und politischen Berichten zur Lage auf den Philippinen sowie der Beziehung zu Österreich
  • Mitorganisation von Kulturprojekten und Veranstaltungen (vor allem die Feier zum Österreichischen Nationalfeiertag)
  • Inhaltliche Neugestaltung der Webseite
  • Konsularische Aufgaben
  • Teilnahme an Tagungen internationaler Organisationen (u.a. Global Autonomy, Governance and Federalism Forum 2016)
  • Teilnahme und Organisation von Veranstaltungen (Dinner, Brunch) in der Residenz des Botschafters, an denen AuslandsösterreicherInnen und/ oder internationale Persönlichkeiten mit wirtschaftlichen, kulturellen, politischen Beziehungen zur Botschaft eingeladen werden.

Allgemein haben mich die Tätigkeiten inhaltlich nicht so sehr gefordert. Zwischen meinem Studienabschluss und dem Praktikum bin ich bereits einer Vollzeitbeschäftigung nachgegangen, in der ich mehr Verantwortung hatte und inhaltlich anspruchsvollere Tätigkeiten erledigt habe. Daher empfehle ich das Praktikum schon zu einem früheren Zeitpunkt, also Anfang bis Mitte des Studiums, zu machen.

Das Leben als Expat in Manila

Ich bin sehr viel in Asien herumgereist und Manila ist jene Stadt, die mir am wenigsten gefallen hat. Ich beschreibe sie gerne als riesigen Slum mit zwei reichen Bezirken. Es gibt nur wenige Freizeitmöglichkeiten bzw. kulturelle oder historische Sehenswürdigkeiten. Im Gegensatz dazu, sind die Inseln, Strände und das Meer die schönsten die ich je gesehen habe und die Einheimischen die freundlichsten und herzlichsten Menschen die ich kennengelernt habe.

Alltägliche Dinge, die in der Heimat funktionieren, sind in einem Entwicklungsland eine Herausforderung, was das Leben dort sehr spannend macht! Es gibt in Manila nur eine schmale Mittelschicht, die meisten Menschen leben in bitterer Armut und dann gibt es die reiche Schicht, zu der auch Expats gehören. In Manila gibt es eigentlich nur zwei Bezirke die recht sicher sind, aber die sind sehr teuer.

Von den Philippinen hört man nicht oft in österreichischen Medien, aber der brutale Feldzug des Präsidenten gegen die Drogenabhängigen und -Dealer hat es einige Male in die Zeitungen geschafft. Um ehrlich zu sein, hatte ich in Manila oft Angst wegen der Sicherheit. Und wenn ich keine Angst hatte, dann hat es sich schlecht angefühlt in einer „reichen, geschützten Zone“ zu leben und zu wissen, was ein paar Straßen weiter passiert. Diese Gesetzeslosigkeit und Art wie dort vorgegangen wurde, macht auch ein wenig paranoid. Denn man weiß: zur falschen Zeit am falschen Ort kann schlimme Folgen haben. Neben diesem Dilemma ist die Kriminalität generell recht hoch und man muss aufpassen. Ich habe mich untertags und bei der Freiwilligenarbeit in den Slums nie gefürchtet, aber ich habe es immer gemieden abends alleine unterwegs zu sein oder nach Hause zu fahren. Das hört sich an als ob ich in Manila eine schreckliche Zeit hatte – aber das war es absolut nicht! Ich bin nur ehrlich und sage, dass man unter diesen Umständen alarmierter und vorsichtiger lebt und sich bewegt.

In Manila herrscht schreckliche Armut und es leben unzählige Menschen auf der Straße und hungern. Da ich die Augen vor dieser Realität nicht verschließen wollte, habe ich in meiner Freizeit bei der Initiative True Manila mitgeholfen. Dort habe ich in den Slums und auf den Straßen Essen an die Armen verteilt. Die Erfahrungen die ich dort gemacht habe, zählen zu den traurigsten, aber auch schönsten und menschlichsten, die ich niemals vergessen werde. Und ich würde jedem raten, der die Möglichkeit bekommt in einem Entwicklungsland zu arbeiten, die Chance zu nutzen und auch diese Seite eines Landes kennenzulernen.

Conclusio: Eine einzigartige Erfahrung

Rückblickend war das Praktikum eine einzigarte Erfahrung und Chance zu lernen wie man in einer anderen Stadt und Kultur lebt. Das Praktikum hat mir die Möglichkeit gegeben, die Tätigkeiten in einer Botschaft und die Welt internationaler, diplomatischer Institutionen kennenzulernen. Am meisten Spaß machten mir die interessanten Vorträge und Veranstaltungen an denen ich teilnehmen durfte und die spannenden Unterhaltungen mit Persönlichkeiten aus unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Institutionen, Ländern und Kulturen.

Ich habe in meiner Zeit als Praktikantin versucht so viel wie möglich zu lernen und die Zeit bestmöglich zu nutzen: In meinen Tätigkeiten in der Botschaft, als Freiwillige in einer Hilfsorganisation, im Bereisen anderer Städte, im Kennenlernen neuer Menschen und Kulturen, und im alltäglichen Leben in einem Land der Extreme. Wer dazu bereit ist, sollte sich bewerben und die Chance auf eine einzigartige Erfahrung nicht verpassen!

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